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Die Weltmeere sind in vielen Regionen weitgehend leer gefischt. Schon heute stammt deshalb ein Großteil der Fische im Handel aus Aquakulturen. Nicht nur Lachs, Shrimps und Forelle, sondern auch beliebte Mittelmeerfische wie Dorade (Goldbrasse) und Lubina (Wolfsbarsch) kommen inzwischen häufig aus der Zucht. Das ist einerseits gut, denn die Wildfischpopulationen werden geschont, anderseits werfen die zahlreiche Aquakulturen selbst wieder neue Umweltprobleme auf.

Ein Gehege

Im ersten Schritt wird die Eierproduktion der Fische durch hormongaben angeregt. In speziellen Zuchtstationen werden die Babyfische dann aufgezogen. Nach 50 Tagen werden die Jungtiere in großen Fischgehegen im Mittelmeer ausgesetzt. In einem Gehege leben bis zu 90.000 Fische, in einigen Anlagen auch mehr. Maximal sollten in diesen Fischgehegen nicht mehr als 20 Kilogramm Fisch pro Kubikmeter leben. Bis zum Verkauf werden die Goldbrasse circa zwölf Monate und der Wolfsbarsch circa 14 Monate gemästet. Das Futter besteht vorwiegend aus Fischmehl, das zumeist aus Südamerika stammt.

Antibiotika

Wie bei jeder Massentierhaltung kommt es auch bei der Fischzucht durch die enge und intensive Haltung häufiger zu Erkrankungen der Tiere. Meist werden die Fische dann mit Antibiotika behandelt. Bei gut gemanagten Anlagen ist die Behandlung mit diesen Medikamenten jedoch eher die Ausnahme. Eine vorbeugende Fütterung mit Antibiotika sollte es überhaupt nicht geben. Vor dem Verkauf dürfen die Fische laut Gesetz mehrere Wochen nicht mit Antibiotika behandelt worden sein. Mögliche Folgen des Antibiotikaeinsatzes für die in der Nähe lebenden Wildfische, bei denen sich Resistenzen bilden können, sind bislang noch nicht ausreichend erforscht.

Gefahren für die Umwelt

Die Netzgehege herkömmlich wirtschaftender Aquakulturen sind in der Regel mit einem „Antifoulingmittel” behandelt, das den Bewuchs (Fouling) der Netze verlangsamen soll. In diesen Mitteln ist Kupfersulfat enthalten. Um eine Belastung der Menschen und Umwelt mit diesem Stoff auszuschließen, verzichten Mastbetriebe, die nach ökologischen Kriterien arbeiten auf dessen Einsatz. Problematisch für die Meeresfauna können auch Exkremente der Fische und Futterreste sein. Die Belastung der marinen Umwelt ist von der Größe und Art der Anlage, von der Meerestiefe sowie der Meeresströmung abhängig.

Lösung für Überfischung

Fischfarmen wurden und werden zum Teil noch immer als Alternative zur Überfischung der Weltmeere angesehen. Diese Einschätzung ist nach Meinung einiger Experten so nicht zutreffend. Gerade Lachs-, Goldbrasse- und Wolfsbarschfarmen beschleunigen die Überfischung der Weltmeere sogar. Der Grund liegt im Eiweißtransfer. Um 1 Kilogramm Lachs, Goldbrasse und Wolfsbarsch aufzuziehen, werden 3 bis 4 Kilogramm Fangfisch benötigt, die zu Fischmehl, also Fischfutter verarbeitet werden. Um den steigenden Bedarf an Fischmehl von Seiten der Aquakulturen zu decken, fangen industrielle Fangflotten im Südpazifik ausschließlich für die Fischfutterproduktion.

Meeresbiologen, Umweltschützer und Fischereiverbände fordern, statt einseitig auf Aquakulturen zu setzen, eine nachhaltige Fischereipolitik. Eine industrielle Fischerei, die ausschließlich Fischmehl produziert, wird von ihnen strikt abgelehnt. Wenn schon Aquafarmen, dann sollten diese ausschließlich auf Fischmehl zurückgreifen, das aus einer nachhaltigen Fischerei stammt. Der Marine Stewardship Council (MSC), eine gemeinnützige Organisation verfolgt ebenfalls diese Ziele und vergibt ein Siegel für nachhaltige Fischerei.

Biofisch: Strenge Kriterien

Es gibt inzwischen Biofisch aus Aquakultur, bei dessen Aufzucht die genannten Kriterien des MSC eingehalten werden. Das Futter muss dabei aus nachhaltiger Fischereiwirtschaft stammen. Es kann sich um Verarbeitungsreste von Speisefischen aus der Konservenindustrie oder um den Beifang von kleineren Küstenfischen handeln, der nicht verkauft werden kann. Darüber hinaus gibt es weitere Kriterien bei der Zucht von Biofischen. So dürfen bei der Aufzucht von Goldbrasse und Wolfsbarsch nur maximal 10 Kilogramm Fisch pro Kubikmeter leben. Das verringert die Anfälligkeit der Tiere für Krankheiten. Darüber hinaus verzichten Biofarmer auf die Behandlung der Netze mit Kupfersulfat und tragen dafür Sorge, dass durch gutes Management, Größe und Lage der Anlage die ökologische Belastung der Umwelt möglichst gering ist. Derzeit wird 25 Prozent unseres Fischbedarfs durch Fisch aus Aquakultur gedeckt.